Dabei hat alles ganz vernünftig angefangen. Je tiefer ich in die digitale Fotografie eintauchte, desto mehr reizte mich der Gedanke, es mal analog zu versuchen. Weg von Bits und Bytes, hin zu echtem Handwerk. Ich wollte nicht nur den Auslöser drücken und das fertige File auf der SD-Karte haben, sondern den ganzen Prozess verstehen – vom Einlegen des Films bis zum fertigen Abzug aus der Chemie. Das ist jetzt über ein Jahr her. Teil 1: Die Hardware.

Digitaler Overkill und die Magie der 36 Bilder

Zuerst fand ich die Idee eigentlich blöd: Man verzichtet auf den Komfort digitaler Kameras, nur um die Bilder am Ende doch wieder zu scannen und auf Social Media zu teilen. Hinzu kommen der größere Aufwand und die höheren Kosten.

Dennoch fesselte mich das Thema. Da waren diese Momente, die ich mir vorstellte: nicht direkt nach dem Auslösen zu wissen, wie das Bild geworden ist. Die Entwicklung des Negativs. Und zum Schluss – der wohl magischste Moment der Fotografie – das Vergrößern auf Papier, wenn durch die Chemie aus dem scheinbaren Nichts ein Bild erscheint.

Romantisiert? Ja. Aber ich fand dieses langfristige Projekt extrem reizvoll. Fotografie als wirkliches Handwerk, so wie es ursprünglich einmal war.

Canon-Treue und die Minolta-Affäre

So ganz auf alles verzichten wollte ich zu Beginn nicht. Deshalb war mir schnell klar, dass meine erste analoge Kamera einen Automatik-Modus oder zumindest einen Belichtungsmesser haben sollte. Online gibt es unzählige Videos und Artikel dazu – eigentlich wollte ich Canon treu bleiben. Ich suchte auf Kleinanzeigen und Auktionsplattformen nach der Canon AE-1, fand sie aber nirgends zu einem vernünftigen Preis. So fiel meine Wahl schließlich auf eine Minolta X-700. Ich finde die Kamera großartig – aber darum soll es hier gar nicht primär gehen.

Spiegel hoch, Licht drauf, fertig?

Ich war unheimlich aufgeregt, als sie ankam. Im Grunde ist eine analoge Kamera faszinierend simpel: Spiegel hoch, Licht fällt hinten auf den Film, fertig. Ohne Objektiv und bei geöffneter Rückwand kann man das wunderbar beobachten – ich war so fasziniert, dass ich keine Ahnung habe, wie oft ich ausgelöst habe. Bis nach zwei Tagen gar nichts mehr ging.

Der erste Dämpfer: ein kaputter Kondensator, ein bekanntes Problem der X-700. Zum Glück fand ich in München noch einen der letzten Experten, die analoge Kameras reparieren. Nach einer Woche konnte ich sie abholen.

Sechs analoge Filmkameras von oben — Olympus, Voigtländer, Minolta X-700, Pentax, Canon AE-1
Die Sammlung — Olympus, Voigtländer, Minolta, Pentax, Canon. Sechs Kameras, sechs volle Filme.

Phantomschmerz: Der vergebliche Blick aufs Display

Dann die ersten echten Aufnahmen. Aus Gewohnheit wanderte der Blick nach jedem Auslösen direkt auf die Rückseite der Kamera – wo natürlich kein Display war. Ich musste jedes Mal schmunzeln. Wer wie ich sowohl digital als auch analog fotografiert: Das wird immer wieder passieren.

Ich fotografierte einfach alles Mögliche, um ein paar Testfilme vollzubekommen. Zwischendurch spielte ich kurz mit dem Gedanken, die ersten Filme wegzugeben. Aber das lässt meine Sturheit nicht zu. Ich will das selbst entwickeln, auch wenn es dauert. Je länger ich warte, desto größer wird die Neugier – ich weiß inzwischen kaum noch, welche Motive auf den ersten Rollen sind. Genau das macht es für mich so reizvoll.

Eskalationsstufe 1: Sechs Kameras und kein Bild

Bevor ich das Thema Entwickeln auch nur ansatzweise anging, schlug das Gear Acquisition Syndrome voll zu. Aus einer Kamera wurden innerhalb kürzester Zeit sechs. Auf die Minolta folgte eine Olympus OM-2n. Von meinem Opa erbte ich eine Pentax ME Super und die wunderschöne alte Voigtländer Bessamatic. Schließlich schlug ich doch noch bei der Canon AE-1 zu – und eine weitere Olympus schlich sich ebenfalls ein.

Die Logik dahinter? Schwer zu erklären. Wahrscheinlich die Angst, dass analoge Hardware irgendwann ganz verschwindet. Oder einfach die Freude an der Mechanik.

Sechs Kameras. Sechs volle Filme. Ich kann es kaum erwarten.