Ich habe es wirklich versucht. Ganz ehrlich. Es gab diese Phasen, in denen ich mir fest vorgenommen habe: „Ab heute wirst du erwachsen. Ab heute ziehst du einen konsistenten Look durch.“ Ich habe Presets gebastelt, mir Regeln auferlegt und versucht, eine richtig schicke „rote Linie“ in meine Projekte zu erzwingen. Spoiler: Es hat nicht funktioniert. Ich bin dafür einfach zu umtriebig.

Kaum habe ich zwei tolle Bergbilder bearbeitet, schreit mein Kopf schon wieder: „Hey, wie wäre es mit Wildlife? Oder Street? Oder vielleicht mal was ganz Abstraktes in 3D?“ Würde ich mich auf eine Nische festlegen, wäre mir nach zwei Wochen sterbenslangweilig.

Der Kampf mit der Bearbeitung (oder: Das 10. Mal ist der Charme)

Das spiegelt sich auch in meinem Workflow wider. Ich bin nicht der Typ „Ein Klick und fertig“. Ich bearbeite manche Bilder fünf- bis zehnmal neu. Manchmal ist es frustrierend, wenn man das Gefühl hat, das Bild könnte noch stärker sein, aber man findet den richtigen Hebel noch nicht. Das ist der Moment, in dem ich das Projekt genervt zur Seite lege.

Doch dann, plötzlich, kommt die Erleuchtung – oft beim zehnten Anlauf – und zack, es passt. Diesen kreativen Zirkus mache ich nicht nur in Lightroom, sondern auch im Design durch. Aktuell bastle ich zum Spaß an einem Layout für ein fiktives Fotomagazin und habe das Ganze schon so oft umgeworfen, dass ich gar nicht mehr weiß, was der ursprüngliche Plan war.

Kreativität ohne Leitplanken

Manchmal führt mich dieser Drang, etwas Neues auszuprobieren, sogar ganz weg von der Linse. Früher, als ich regelmäßig Fotomanipulationen erstellt habe, stand ich oft vor dem Problem, dass das passende Element für meine Szene fehlte. Statt aufzugeben, habe ich angefangen, mir die fehlenden Objekte oder ganzen Hintergründe einfach selbst in 3D zu rendern. Es ist diese Kombination aus verschiedenen Welten, die mich reizt – wenn das Foto erst der Anfang einer größeren kreativen Reise ist.

Wenn ich meine Arbeiten mit den perfekt kuratierten Portfolios anderer vergleiche, sehe ich vor allem eines: Chaos. Es gibt keinen Masterplan. Man weiß bei mir nie, was als Nächstes kommt – aber ganz ehrlich: Ich weiß es ja selbst oft nicht. Ich mache das alles nicht, um einen Preis für das „konsistenteste Branding“ zu gewinnen. Ich mache das, um meine Neugier auszuleben.

Stil ist, wenn man trotzdem lacht

Ein fester Stil ist wie eine Uniform – sie passt gut, aber man trägt jeden Tag das Gleiche. Ich ziehe lieber jeden Tag etwas anderes an. Das „Nicht-Finden“ eines Stils ist für mich kein Scheitern, sondern der pure Luxus meines Hobbys. Ob ich heute analog fotografiere, morgen 3D-Szenen rendere oder ein Booklet layoute – genau diese Freiheit ist der Grund, warum ich Kamera und Maus in die Hand nehme.

Am Ende ist mein Stil vielleicht genau das: Dass man nie weiß, was als Nächstes kommt.

Zwischen digitalen Welten und realen Momenten.