Vor sieben Jahren fing alles mit einer simplen Frage an: Will eigentlich irgendjemand meine Fotos haben?
Damals habe ich viel mit Fotomanitpulationen experimentiert. Dabei stand ich oft vor dem Problem, dass mir für eine Idee bestimmte Elemente oder Hintergründe fehlten. Ich war in dieser Zeit extrem froh über jeden, der sein Material frei zur Verfügung gestellt hat. Ohne diesen Content hätte ich meine eigenen Visionen nie so umsetzen können.
Dadurch kannte ich kostenlose Stock-Plattformen wie Pexels oder Unsplash bereits in- und auswendig. Irgendwann dachte ich mir: Warum drehst du den Spieß nicht um? Bevor meine Fotos ungenutzt auf der Festplatte verstauben, lade ich sie dort hoch und schaue einfach, was passiert.
Der Rausch der Statistiken
Ich gebe es zu: Irgendwann packt einen der Ehrgeiz. Wenn man sieht, dass die Views und Downloads steigen, wird es fast zu einem Sport. Mittlerweile stehe ich bei über 150 Millionen Views und mehr als 850.000 Downloads. Klar, davon kann ich mir nichts kaufen, aber es ist eine Bestätigung, die man bei einem privaten Portfolio so nie bekommt. Zu den Top-Prozenten auf einer Plattform zu gehören, schmeichelt dem Ego dann doch ein bisschen.
Es ist ein verdammt gutes Gefühl, seine eigenen Bilder irgendwo „in freier Wildbahn“ wiederzufinden. Einmal hat es ein Bitcoin-Bild von mir sogar online in Die ZEIT geschafft. Das Wissen, dass meine Arbeit Teil einer Geschichte am anderen Ende der Welt ist, gibt mir mehr als die paar Cent auf einer kommerziellen Stock-Plattform.
Wenn der Output die Ordnung überholt
Spannend ist auch, wie unterschiedlich die Plattformen ticken. Ein Bild, das auf Pexels durch die Decke geht, wird auf Unsplash oft nicht mal mit dem Arsch angeguckt. Man lernt extrem viel darüber, was „da draußen“ wirklich gebraucht wird – und oft sind das gar nicht die Fotos, die ich selbst für meine stärksten halte.
Aber man muss auch aufpassen, dass man sich nicht im eigenen Chaos verzettelt. Mir ist da mal so ein typischer Fail passiert: Ich hatte völlig vergessen, dass ich bestimmte Bilder bereits exklusiv bei Shutterstock im Verkauf hatte, und habe sie im Eifer des Gefechts auch bei Pexels hochgeladen. War kein Weltuntergang, aber eben ein bisschen dumm gelaufen. Da hat der Output einfach meine eigene Ordnung überholt.
Warum also gratis?
Warum ich das mache? Ganz ehrlich: Weil ich die Bilder sowieso habe. Es wäre reine Verschwendung, sie im digitalen Archiv verschimmeln zu lassen. Die Freiheit, heute ein Bild zu machen und es morgen tausenden Menschen zur Verfügung zu stellen, macht mir einfach Spaß. Am Ende profitiert jeder: Andere Kreative bekommen Material für ihre Projekte, und ich sehe meine Bilder dort, wo sie hingehören – im Einsatz.