Auf den Tag genau vor fünf Jahren habe ich bei Shutterstock mein Konto eröffnet, um Inhalte anzubieten. Etwa zur selben Zeit habe ich noch Accounts bei Adobe Stock, Getty Images und iStock eröffnet. Viel hilft viel – das war zumindest die erste Überlegung.
Das hier wird keine Anleitung, wie man mit Stockfotos beginnen kann und was man damit verdienen kann, sondern ist ein reiner Erfahrungsbericht. Wer damit starten möchte, findet online zahlreiche Tipps und Anleitungen.
Da bei Getty und iStock der Hochladeprozess zumindest aus meiner Sicht etwas hakelig war im Vergleich zu den anderen beiden Plattformen, habe ich diese bereits nach kurzer Zeit wieder vernachlässigt und mein Hauptaugenmerk auf Shutterstock und Adobe Stock gelegt.
Vom Waldbild zum Bitcoin: Die Jagd nach der Nische
Relativ schnell habe ich bemerkt, dass meine Naturbilder kein großes Interesse wecken. Generell folgte erstmal große Ernüchterung. Je mehr ich mich mit dem Thema Stock beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, dass man eine Nische finden muss. Zu dieser Zeit war gerade der Krypto-Hype ausgebrochen und das war der ideale Aufhänger für mich.
Ich besorgte mir Münzen mit den Logos unterschiedlicher virtueller Coins, Hintergründe, Licht, etc., um zuhause ein kleines und praktisches Setup aufstellen zu können. Recht viel brauchte es nicht: neben den Münzen und zwei kleinen Lichtquellen habe ich schwarze und weiße Acrylplatten gekauft als Unterlage und für eine Spiegelung, was in meinen Augen interessanter und professioneller wirkte. Als Hintergrund habe ich meistens einfach den Bildschirm meines Laptops genommen, wo ich ein passendes Logo oder einen ganz einfach und schnell selbst erstellten Hintergrund eingeblendet habe.
Zugegeben die ersten Bilder waren nicht besonders großartig. Einige goldene Bitcoin-Münzen vor schwarzem Hintergrund, etwas mit dem Licht gespielt und das wars. Es war eine andere Art Fotografie und es sind auch keine Meisterwerke entstanden. Ich informierte mich regelmäßig über die aktuellen Themen aus der Branche und versuchte, dementsprechend Bilder zu erstellen.
Die Logofalle: Wenn die Rechtsabteilung „Nein“ sagt
Das Erstellen der Bilder ist das eine. Der viel aufwendigere und teilweise frustrierende Teil ist das Hochladen und online stellen. Ein Thema, das ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte zur damaligen Zeit: Man kann nicht einfach so Logos fotografieren (egal ob im Hinter- oder Vordergrund) und verkaufen ohne die entsprechende Erlaubnis. Da mir Unternehmen wie BlackRock oder Coinbase diese kaum erteilt hätten, war ich erstmal enttäuscht. Wie soll man dann Bilder verkaufen, wenn das alles abgelehnt wird?
Vielleicht wäre etwas mehr Recherche vorab hilfreich gewesen, aber ich bin jemand der loslegt, auch wenn er noch nicht alle Fakten kennt. Deshalb habe ich mich nicht entmutigen lassen, denn es gibt einen Weg – Editorial ist das Zauberwort.
In dieser Kategorie werden alle Bilder mit „News-Charakter“ – sprich von Events, Unternehmen, aktuellen Ereignissen – zusammengefasst, die dann nur von entsprechenden Nachrichten-Seiten verwendet werden dürfen. Deshalb braucht es auch keine Erlaubnis vom Unternehmen, wenn das Logo zu sehen ist.
Ein Hoffnungsschimmer! Das Einreichen in dieser Kategorie war etwas aufwendiger. Ich kann hier nur über meine Erfahrung mit Shutterstock sprechen, denn bei Adobe Stock musste man (zumindest damals) mindestens 100 Verkäufe erzielen, bevor man Bilder in Editorial einreichen darf. Das erschien mir unerreichbar.
Copy-Paste & Kreativitäts-Verbot: Der Kampf gegen den Algorithmus
Neben dem Titel brauchten Editorial Bilder Ort und Datum der Aufnahme bei Shutterstock – wobei ich vermute, dass das überall so ist. Das aufwendigste war das Eintragen der Keywords. Ich erstelle mir nach einiger Zeit eine Liste, mit einigen Standard-Keywords, die ich bei fast jedem Bild verwenden konnte (bspw.: Crypto, Finance, Investment …), was dank Copy und Paste die Arbeit etwas beschleunigt hat.
Im Anschluss musste man immer ein paar Tage warten, bis die Bilder freigegeben worden sind. Zahlreiche wurden abgelehnt. Einer der Hauptgründe: Ich war zu kreativ für Stock. Ich habe versucht mit Schärfe und Licht zu spielen und etwas interessantere Blickwinkel. Aber das Tool, das für die Prüfung zuständig ist, hat meine Kreativität missverstanden und vor allem beim Spiel mit der Schärfe die Bilder regelmäßig abgelehnt als qualitativ nicht ausreichend.
Dennoch habe ich es nach einiger Zeit geschafft, die ersten Bilder online zu bekommen. Den Preis konnte man nicht selber festlegen. Ehrlich gesagt habe ich die genaue Preisbildung bis heute nicht so ganz verstanden. Damals war mir das sowieso egal. Denn bereits nach kurzer Zeit kam die erste Meldung: Ein Bild wurde verkauft.
Der erste Verkauf: 10 Cent pure Euphorie
Bevor ich nachschauen konnte, welches Bild für wie viel gekauft worden ist, ging bereits die Fantasie mit mir durch. Klar, es war ein aufwendiger Weg, aber wenn das so anläuft, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis ich da richtig durchstarte. Die Euphorie wurde wenige Minuten später gebremst, als ich gesehen habe, dass mein erstes Bild für gerade mal zehn Cent (Dollar) verkauft worden ist.
Es kamen relativ schnell weitere Verkäufe hinzu. Das bestätigte mich wenigstens, dass ich mit dem Thema Krypto zu dem Zeitpunkt die richtige Nische gefunden hatte. Es gab erste Bilder, die mal für mehr als zehn Cent verkauft worden sind. Aber in der Regel waren es kleine Beträge. Was am Model liegt. Die Redaktionen haben ein Abo und je nach Abo bekommt der Creator eine prozentuale Summe ausbezahlt. Diese steigert sich mit der Summe der Verkäufe. Ab 500 Downloads beispielsweise erreicht man Stufe zwei und der prozentuale Anteil wird größer (wobei „größer“ sehr gering ist).
Ich weiß den Zeitraum nicht mehr ganz genau, aber so nach ca. drei bis vier Monaten konnte ich das erste Mal auszahlen: Ganze 25 US-Dollar. Der ursprüngliche Plan, damit Kamera-Equipment oder im schlechtesten Fall wenigstens mein Creative Cloud Abo bezahlen zu können, ist nicht aufgegangen.
Kassensturz: Reicht es für ein neues Objektiv?
Ich muss zugeben, ich habe das nicht regelmäßig verfolgt zuletzt, sondern eher nebenbei. Anfangs habe ich noch konstant Zeit reingesteckt, nach News Ausschau gehalten, getestet, aber es wurde nach und nach weniger.
Insgesamt habe ich 256 Fotos in meinem Portfolio und 1.983 Verkäufe erzielt. Das klingt erstmal nicht ganz so schlecht. Am Ende reicht das aber für gerade mal etwas mehr als 400 US-Dollar in fünf Jahren. Also davon leben wäre schwierig. Wenn man regelmäßig dranbleibt und mehr Zeit reinsteckt, kann man das sicherlich optimieren und mehr rausholen als ich.
Am besten wäre es aus meiner Sicht, wenn man nicht nur im Bereich Editorial einreicht, sondern die klassischen Büro-Stock-Fotos – am besten mit Menschen. Für diese Bilder bekommt man mehr ausbezahlt. Da ich das nie gemacht habe, kann ich allerdings nicht beurteilen, ob sich der zusätzliche Aufwand (Location, Models, etc.) wirklich lohnt.
Auch wenn meine anfängliche Euphorie schnell verflogen ist, fand ich es eine sehr interessante Erfahrung. Der Account ist noch online und es werden aktuell monatlich so um die 10-20 Bilder verkauft. Insgesamt viel Aufwand für wenig Ertrag – aber ich würde es wahrscheinlich genau so wieder machen.
Die nackten Zahlen nach 5 Jahren:
• Verkäufe: 1.983
• Gesamteinnahmen: ca. 460 USD
• Stundenlohn: Reden wir lieber nicht drüber.
• Größtes Learning: Editorial ist ein Life-Saver, aber Krypto-Münzen bezahlen keine Miete.