Fotografieren hat für mich viel mit Neugier zu tun. Man schaut genauer hin, entdeckt Dinge, an denen man sonst vielleicht vorbeigelaufen wäre. Gleichzeitig hat es auch etwas Ruhiges. Man steht irgendwo, beobachtet das Licht oder eine Szene und wartet einfach einen Moment länger.

Beobachten statt nur fotografieren

Ein Erlebnis, das mir besonders im Kopf geblieben ist, war ein Morgen, an dem ich mit einem Freund unterwegs war, der einen Jagdschein hat. Er hat mich irgendwann mal gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ihn früh morgens zu begleiten.

Also standen wir noch vor Sonnenaufgang draußen irgendwo am Waldrand. Es war kalt, still und eigentlich passierte erst einmal gar nichts. Wir saßen einfach da und warteten. Das Interessante war, dass man nie wusste, ob überhaupt etwas passieren würde. Vielleicht kommt ein Tier. Vielleicht auch nicht.

Nach einer Weile kam tatsächlich eine Gams aus dem Wald. Sie hatte ein verletztes Bein und bewegte sich vorsichtig durch das Gelände. Natürlich habe ich Fotos gemacht.

Aber eigentlich war das gar nicht der wichtigste Teil dieses Morgens. Es war eher das Erlebnis selbst: die Ruhe, der Sonnenaufgang und dieses Gefühl, einfach dort gewesen zu sein. Selbst wenn kein Tier gekommen wäre, wäre es trotzdem ein besonderer Morgen gewesen.

Wenn der Moment wichtiger ist als das Foto

Eine ähnliche Erfahrung hatte ich einmal am Wörthsee. Dort gibt es drei lange Stege, die ziemlich weit ins Wasser hinausgehen. Aus irgendeinem Grund finde ich dieses Motiv einfach spannend.

An diesem Morgen wollte ich eigentlich den Sonnenaufgang fotografieren, war aber etwas zu spät dran und deshalb ziemlich hektisch unterwegs. Als ich am Steg ankam, wurde plötzlich alles ruhiger. Der Himmel hatte unglaublich intensive Farben, das Wasser war komplett still und diese kalte Morgenluft lag über dem See. In solchen Momenten merkt man, dass man genau zur richtigen Zeit draußen ist.

Ich habe Fotos gemacht, aber später gemerkt, dass sie eigentlich gar nicht so gut geworden sind. Trotzdem ist mir dieser Morgen bis heute im Kopf geblieben. Nicht wegen der Bilder, sondern wegen der Stimmung dort draußen.

Ein anderer Blick auf den Alltag

Vielleicht ist genau das einer der größten Effekte der Fotografie: Man beginnt, anders zu sehen.

Auch in ganz normalen Situationen. Man sitzt zum Beispiel abends nach der Arbeit in der S-Bahn und plötzlich fällt das Licht durch das Fenster auf eine bestimmte Art in den Wagon. Vielleicht entsteht dadurch eine interessante Stimmung oder ein spannendes Spiel aus Licht und Schatten.

In solchen Momenten merkt man oft: Das wäre eigentlich ein gutes Foto. Und natürlich hat man genau dann keine Kamera dabei. Trotzdem bleibt dieser Moment hängen, einfach weil man ihn bewusst wahrgenommen hat.

Experimentieren gehört dazu

Ich habe auch gemerkt, dass ich mich nicht wirklich auf eine Art von Fotografie festlegen möchte. Mal interessiert mich eine Szene in der Stadt, mal eine Landschaft oder ein kleines Detail in der Natur. Gerade diese Vielfalt macht das Ganze für mich spannend. Es gibt immer etwas Neues zu entdecken oder auszuprobieren.

Ein weiterer Teil der Fotografie ist für mich das Experimentieren. Neue Perspektiven ausprobieren, Einstellungen testen oder einfach schauen, was passiert. Man lernt ständig dazu, und genau das hält das Ganze interessant. Es gibt immer noch etwas, das man ausprobieren oder verbessern kann. Je länger ich fotografiere, desto mehr merke ich, dass ein gutes Foto nicht unbedingt das technisch perfekte Bild sein muss. Oft sind es die Momente, die zählen. Die Situationen, in denen man kurz innehält und merkt, dass gerade etwas Besonderes passiert.

Am Ende fotografiere ich deshalb nicht nur wegen der Bilder. Ich fotografiere, weil es mir hilft, die Welt ein bisschen bewusster wahrzunehmen. Die Kamera ist dabei eigentlich nur ein Werkzeug. Der eigentliche Grund ist viel einfacher: Fotografieren gibt mir einen Anlass, genauer hinzuschauen.

Und manchmal entsteht dabei ein Bild, das diesen Moment festhält.