Und ich? Ich habe natürlich auch zwischendurch das Handy gezückt. Ein Tor, eine Choreo, ein kurzer Selfie-Moment. Klick. Aber irgendwann habe ich mich gefragt: Wofür mache ich das eigentlich?
Denn ich kenne die Realität: Ich schaue mir diese Fotos später kaum an.
Beim Wandern passiert mir genau dasselbe. Ich laufe durch wunderschöne Landschaften, halte ständig kurz an, mache ein Foto nach dem anderen… und lösche sie später fast alle. Nicht, weil sie schlecht wären. Sondern weil sie für mich keinen Wert haben. Ich poste ein oder zwei – und der Rest verschwindet im digitalen Nirvana.
Und genau in solchen Momenten merke ich: Fotografieren ist heute so leicht geworden, dass wir es oft ohne echten Grund tun.
Das ist das Paradox unserer Zeit
Die Handy-Kameras sind technisch beeindruckend – und sie sind immer griffbereit. Das ist großartig, aber es hat eine Nebenwirkung: Wenn wir alles fotografieren können, überlegen wir immer weniger, was uns überhaupt wichtig ist.
Das Bild ist schnell gemacht, aber hat selten Bedeutung. Nicht, weil es schlecht ist, sondern weil es keinen Anlass gibt, es wirklich zu behalten. Ich merke das an mir selbst. Ich drücke zu oft einfach „aus Gewohnheit“.
Trotz all dem – ich glaube immer noch daran, dass Fotos grundsätzlich wertvoll sind. Ein verwackeltes Stadionfoto kann später Emotionen wecken. Ein unspektakuläres Wanderbild kann an einen schönen Tag erinnern.
Das Problem ist nicht, dass wir fotografieren. Das Problem ist, wie schnell wir es tun – und wie wenig wir uns dabei fühlen lassen. Wir fotografieren, bevor wir den Moment überhaupt wahrgenommen haben.
Vielleicht sollten wir Fotos wieder ein bisschen ernster nehmen
Nicht im Sinne von Technik oder Perfektion. Sondern im Sinne von Aufmerksamkeit. Mir geht es gar nicht darum, weniger Fotos zu machen. Sondern darum, bewusstere Fotos zu machen.
Ein Foto sollte wieder eine Antwort auf eine Frage sein: Warum drücke ich gerade ab? Weil mich etwas berührt? Weil ich mich erinnern will? Weil ich wirklich etwas festhalten möchte? Oder weil ich es einfach gewohnt bin?
Fotografie im 21. Jahrhundert ist nicht schlechter geworden. Wir sind nur schneller geworden. Und in dieser Geschwindigkeit geht manchmal der Wert des Moments verloren.
Aber wenn ich bewusst fotografiere – beim Wandern, im Stadion, im Alltag – dann fühlt sich jedes Bild wieder ein bisschen mehr nach dem an, was Fotografie für mich eigentlich ist:
Eine Möglichkeit, nicht nur zu sehen. Sondern festzuhalten, was mir wirklich etwas bedeutet.