Von Porträts mit Menschen habe ich mittlerweile eine gewisse Ahnung, was Posen und Haltung betrifft. Was bei einer Kuh alles zu beachten ist, damit sie am Ende auf einem Bild gut aussieht, wusste ich vorher nicht. Und anders als bei einem Model hören Kühe nicht auf Anweisungen.
Bürsten, Stylen, Ring
Vor der eigentlichen Schau wurde ordentlich Aufwand betrieben. Waschen, bürsten, Schwanz und Haare zurechtschneiden, nochmal bürsten. Am Ende sah jedes Tier makellos aus, fast wie hergerichtet für den Laufsteg. Was ich besonders spannend fand: wie viel Sorgfalt in die Vorbereitung gesteckt wird, für ein Publikum das die Details vermutlich nur zum Teil bewusst wahrnimmt. Dazu passt aber, dass in der Aufzucht dieser Kühe ohnehin viel Leidenschaft und Aufwand steckt. Dementsprechend ist es verständlich, dass man sie bestmöglich aussehen lassen möchte.
Im Ring selbst wurde es dann anspruchsvoller. Bis zu acht Kühe oder sogar mehr gleichzeitig, teilweise sehr große Exemplare und ich mittendrin. Ich habe grundsätzlich überhaupt keine Angst vor Kühen. Aber in so einem engen Ring ist dann der Respekt doch größer geworden. Dazu die Mittagssonne, hartes Licht von oben und die Tiere hatten wenig Interesse an meiner Bildkomposition. Drehten sich weg, senkten den Kopf genau dann, wenn es interessant wurde, oder liefen einfach los.
Neben mir stand eine Fotografin für ein Fachmagazin, die genau wusste, worauf es ankommt: die Rückenlinie, der erhobene Kopf, die Beinstellung, alles nach festen Kriterien. Sie war beeindruckend präzise in ihren Anweisungen an die Halter. Ich daneben hatte einen einfacheren Anspruch: die ganze Kuh drauf, den Halter mit im Bild, die Siegerschleife sichtbar und bei dem Licht nicht zu überbelichtet. Nach einiger Zeit habe ich einfach immer gewartet, bis sie die Kuh passend ausgerichtet hat und habe dann abgedrückt.
Wie eine Modenschau, nur mit anderen Models
Als die erste Kategorie in den Ring einzog und die Runde begann, mit Zuschauern rundherum und dieser festlichen Stimmung, musste ich kurz an die Munich Fashion Week 2025 denken. Die Dachterrasse, das Licht, die Models, die Backstage bis ins letzte Detail gestylt wurden, bevor sie rausgingen. Der Gedanke kam mir nicht wegen der Tiere selbst, sondern wegen der Abläufe: viel Vorbereitung, der große Auftritt und ein Publikum, das auf den perfekten Eindruck wartet. Nur gab es hier am Ende eine Prämierung.
Kein böser Vergleich, eher eine Feststellung, die mich zum Schmunzeln brachte: die Choreografie einer Fleckviehschau und die einer Modenschau sind sich doch ähnlicher als man zunächst denkt.
Am Ende war es ein Erlebnis, das ich vorher so nicht hatte. Kühe habe ich fotografiert, klar, auf der Weide beim Wandern. Aber Kühe als Models, mit Anweisungen, Styling und Siegerfoto, das war neu. Und wer weiß: Vielleicht bleibt es eine Ausnahme. Nach dieser Erfahrung würde es mich allerdings nicht überraschen, wenn ich irgendwann wieder an einem Ring stehe und auf die perfekte Kopfhaltung einer Kuh warte.