Zu spät losgefahren, zu hektisch angekommen – und dann landete der A380 eh auf der anderen Bahn. Willkommen beim Planespotting.
Dabei hatte ich alles vorbereitet. Lange recherchiert, welche Spots am Münchner Flughafen die besten sind. Es gibt vor allem drei Hauptstandorte. Mein erster Ausflug führte mich zum Nordhügel – je nach Windrichtung landet der A380 dort, was ihn für meinen Plan zum idealen Spot machte. Zumindest in der Theorie.
Vorher hatte ich auf diversen Websites Lande- und Abflugpläne gecheckt und die Wetterprognosen studiert. So viele A380 sind in München nicht unterwegs: Der erste aus den USA kommend landet morgens gegen 7 Uhr, mittags geht einer zurück. Also früh aufstehen – die Landung erschien mir spannender. Zumindest wollte ich die Gelegenheit haben, beides festzuhalten. Das 150-600mm kam übrigens nicht zum ersten Mal zum Einsatz – den ersten Feldtest hatte es bereits bei einer hinkenden Gams in Südtirol bestanden.
Das Wetter lässt sich nicht planen
Nach Ankunft am Nordhügel verschaffte ich mir erstmal einen Überblick. Im Winter ist der Spot wohl etwas besser, weil die Bäume neben dem Hügel keine Blätter tragen und nichts von der Piste verdecken. Auch so war er gut – außer der Wind spielte nicht mit. Während ich das Stativ aufstellte, checkte ich nochmal Flightradar und bemerkte: der A380 war auf dem Weg zur südlichen Landebahn. Falscher Wind, falsche Bahn. Entweder hatte ich falsch recherchiert oder das Wetter hatte andere Pläne. Sei es drum. Es roch nach Kerosin. Ein Geruch den ich liebe.
Erster kleiner Dämpfer – aber kein Beinbruch. Ich machte erste Testaufnahmen der startenden Flugzeuge und war begeistert. Wie nah man mit 600mm dran kommt. Und wie schwierig es gleichzeitig ist, bei dieser Brennweite das Flugzeug wirklich scharf zu bekommen. Das Licht wechselte ständig – Automatik testen, AF-Modi ausprobieren, mal freihändig, mal Stativ. Und immer wieder das gleiche Problem bei 600mm: Man war plötzlich komplett woanders im Bild und musste rauszoomen, um überhaupt zu sehen, wo man gerade durch den Sucher hinschaute. Die starke Bewölkung sorgte dabei für interessante Bilder, erschwerte aber die Einstellungen.
600mm reichen nicht für alles
Von weitem sah ich den Superjumbo im Anflug – den ich hier mal kurzerhand zur Königin der Lüfte ernenne, auch wenn dieser Titel eigentlich der 747 gehört. Ich versuchte die Landung einzufangen – gelang natürlich nicht, weil die Flughafengebäude im Weg waren. Wenigstens den Anflug hatte ich, auch wenn er sehr weit entfernt war. Manchmal sind selbst 60mm zu wenig.
Besser lief es mit den startenden Maschinen, die quasi vor meiner Nase abhoben. Im Minutentakt starteten größere und kleinere Passagiermaschinen. Jeder einzelne Start war aufs Neue imposant – man spürte die Energie und die Masse, auch bei den „kleineren“. Und was mir jedes Mal wieder auffiel: sie sahen so langsam aus. Fast träge. Bis man merkte, wie schnell sie dann doch weg waren.
Mit der Zeit merkte ich das Gewicht des Objektivs – knapp vier Stunden waren vergangen. Die Zeit war im wahrsten Sinne geflogen. Ein guter Moment, um nochmal zu recherchieren. Mein Blick fiel direkt auf den A380-Abflug in knapp einer Stunde. Das Warten begann.
560 Tonnen und 260 km/h
Es passierte nichts. Langsam wurde ich nervös. Startete er etwa auf der Südbahn? Gerade als ich nochmal am Smartphone checken wollte, war es dann doch so weit: Der A380 rollte Richtung Startbahn. Ich verfolgte ihn durch den Sucher und ließ ihn nicht mehr aus dem Blick. Während der Pilot (vermutlich) die letzten Checks durchging, traf auch ich finale Einstellungen – und dann waren wir beide bereit.
Die Maschine beschleunigte. Ich versuchte meine Begeisterung zu unterdrücken und mich aufs Fotografieren zu konzentrieren. Keine 50 Meter vor mir hob er ab – und man spürte es. Weniger laut als gedacht, aber die Energie und die Masse waren da. Ich folgte ihm so lange, bis er am Horizont immer kleiner wurde. Nicht mal der einsetzende Regen brachte mich davon ab.
Bislang war ich zweimal vor Ort. Das zweite Mal auf dem offiziellen Besucherhügel. Beim nächsten Mal würde ich es etwas anders angehen: gezielt auf bestimmte Maschinen warten und gewisse Bilder wie beispielsweise mit dem Alpenpanorama versuchen bewusster auszuwählen. Aber am Ende ist das Treiben selbst das faszinierende – wie diese Kolosse starten und landen im Minutentakt, als wäre es das Normalste der Welt. Ist es ja irgendwie auch. Und trotzdem jedes Mal wieder imposant. Und auf jeden Fall superspannend festzuhalten.
Blechvögel über München