Am 23. Juni 2020 registrierte ich das Instagram-Profil. Der erste Post folgte im Oktober. Vier Monate dazwischen – für Logo, Namen, Konzept. So läuft das bei mir manchmal. Und manchmal starte ich etwas spontan, mache es zweimal, und dann nie wieder. Beides ist shutter_speed.

Die Idee kam früher als der Name

Den Wunsch, meine Arbeiten irgendwo zu zeigen, gab es schon 2019. Über den privaten Kanal wollte ich das nicht machen. Einfach „Photography" dranhängen war auch keine Option. Das kann jeder. Außerdem war mir wichtiger, was gezeigt wird, nicht wer dahintersteckt.

Bis das Logo stand, verging Zeit. SHUTTER SPEED war naheliegend für Fotografie – auch wenn der Kanal anfangs kaum Fotos zeigte und auch mehr ist als Fotografie. Das Logo hat mich länger beschäftigt als gedacht. Die Idee: der rechte Teil des Schriftzugs läuft aus dem Fokus, weil Bewegung und Verschlusszeit eben zusammenspielen. Viele haben es wahrscheinlich nie bemerkt. War wohl vor allem in meinem Kopf genial – aber ich fand und finde es bis heute gut. Auch wenn das ursprüngliche Logo nur mehr im Ordner "Archiv" liegt.

Die Fantasie war damals ohnehin größer als der Output: Videos, Animationen, 3D-Renderings, ein Zweitkanal. Zum Glück blieben das fast alles Fantasien.

Einen Masterplan gab es nie

In den ersten Monaten war die Motivation hoch. Rausgehen, Bilder machen, Fotomanipulationen überlegen und erstellen. Es gibt einen Ordner mit PSD-Dateien und noch viel mehr Ideen, die ich nie gezeigt oder umgesetzt habe – weil die Vorstellung im Kopf meistens besser ist als das Ergebnis. Manchmal wurde das schon bei den Zwischenschritten klar. Ordner zu, nächste Idee.

Mit der Zeit nahm die Euphorie etwas ab. Das vorhandene Material reichte ungefähr drei bis vier Monate, bei zwei Posts die Woche. Ich recherchierte Hashtags und Best-Practices, passte die Strategie wöchentlich an. Was es nie gab: einen langfristigen Plan. Und ehrlich gesagt, war mir das auch nie wichtig. Der beste Content entsteht nie auf Druck, sondern wenn man einfach macht.

Regelmäßig unregelmäßig

Auf intensive Phasen folgten manchmal drei Monate Funkstille. Jeder Social-Media-Experte würde sich die Haare raufen. Aber shutter_speed war nie ein Business, nie eine Strategie – immer nur die Möglichkeit, Arbeiten einfach zu veröffentlichen. Und nebenbei ist aus dem Kanal mehr geworden als erwartet: erste Kontakte, Fotowalkbekanntschaften, Menschen, die ich heute noch kenne. Das hatte ich nicht geplant. Geht ja auch nicht ohne Plan.

Domain gesichert, Website irgendwann

Da manche Projekte sich schwer in ein quadratisches Format pressen lassen, reifte die Idee einer eigenen Website – nicht als reines Portfolio, sondern mit Blog. Kein Kaufberatungs-Content, keine zehn Tipps zum perfekten Foto, keine Affiliate-Links. Lieber eigene Gedanken, und vor allem irgendwann auch andere Stimmen.

Die Domain shutter-speed.eu hatte ich bereits 2023 gesichert. Als ob die sonst vergeben worden wäre – aber man weiß ja nie. Die .eu-Endung war ein Kompromiss: .com zu teuer, .de zu regional für einen zweisprachigen Auftritt.

Gebaut war die Seite damit noch lange nicht. Einen Experten beauftragen war für ein Spaßprojekt keine Option. Einfach ein Stangen-Template von Squarespace oder Wix nehmen auch nicht – zu generisch, zu wenig meins. Also selbst bauen.

Coden blieb eine zähe Angelegenheit trotz mehrerer Anläufe. Eine Webflow-Seite ging irgendwann live – gefallen hat sie mir von Tag eins an nie wirklich. Aber sie war da. Und wurde im Rahmen meiner Möglichkeiten erweitert und gepflegt.

Das Blatt wendet sich

Mit den KI-Tools verschob sich etwas. Was ich mit Photoshop stundenlang versucht hatte, ging plötzlich in Minuten – und wurde viel besser. Erst da wurde mir langsam klar, was eigentlich möglich ist, wenn das Werkzeug zum Kopfkino passt.

Plötzlich konnte auch ich als Laie eine Website bauen, die meinen Vorstellungen entspricht. Fünf Jahre nach dem Start folgte die nächste große Stufe: eine selbst gebaute, einfache Homepage, mit mehr schlaflosen Nächten verbunden als geplant, aber besser und besser werdend.

Im April 2026 kam die lang ersehnte Erweiterung der Seite und es erschien der erste Beitrag. Es folgten die ersten Interviews. Ein Meilenstein – auch wenn ich keine Ahnung hatte, dass es so kommen würde. Geht ja auch nicht ohne Plan.

Illustration einer Person die sich bückt, während bunte Schmetterlinge aus dem Hintern fliegen
"Schmetterlinge im Bauch" - 2021. Immer noch eine meiner besten Ideen.

Und in all der Zeit: die Fotografie

Das Spektrum ist über die Jahre gewachsen. Drohnenaufnahmen, Zeitraffer, Makro. Und dann die analoge Fotografie – inklusive Selbstentwickeln versteht sich. Sechs Kameras, sechs volle Filme, noch kein fertiges Bild. Wer den Analog-Artikel gelesen hat, weiß: das ist kein Scheitern, das ist Methode.

Am Ende dreht sich alles ums Bild. Nicht um Likes, nicht um Reichweite, nicht um das perfekte Setup. Sondern um diesen einen Moment, den man festhalten will – egal ob mit der Digitalkamera, der Drohne, dem Smartphone oder einer 35mm-Kamera aus den 80ern. Das Werkzeug wechselt, die Neugier bleibt.

Schmetterlinge im Bauch

Ich habe keine Ahnung, wie viel Zeit und Geld ich in den letzten sechs Jahren in shutter_speed gesteckt habe. Equipment, Domain, Software, Stunden vor dem Rechner. Für ein Hobby. Ohne Plan, ohne Ziel, ohne je ernsthaft nachzurechnen – weil ich es gar nicht wissen will.

Was ich weiß: es hört nicht auf. Nicht weil ich muss, sondern weil ich nicht anders kann. Die Ordner unter „Projekte“ haben die Zahl 100 längst überschritten. Und von den Unterordnern reden wir gar nicht erst. Auf der Festplatte verstreut liegen zudem unzählige Dokumente mit dem Titel „Ideen" aus Jahren, die ich fast vergessen habe. Manche lösche ich – weil sie auch mit Abstand nicht besser geworden sind. Die meisten aber bleiben. Man weiß ja nie.

shutter_speed ist das einzige Projekt, das wirklich durchgehalten hat. Durch alle Phasen, alle Pläne, die keine waren, alle Ideen, die kamen und gingen. Der einzige rote Faden. Und solange das so ist, wird es weitergehen. Und weil es einfach Spaß macht. Das klingt banal, ist aber der einzige Grund, der wirklich zählt.

Einen richtigen Plan gibt es immer noch nicht. Muss ja auch nicht.

Ein weiter Weg